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Meine Lehre ist dergestallt konzipiert, die Studierenden sehr anwendungsnah auf die spätere berufliche Praxis vorzubereiten. Dies hat zur Folge, dass der - früher und z.T. auch heute übliche - Frontalunterricht selbst bei größeren Gruppen auf ein Minimum reduziert ist. 

Die Studierenden werden statt dessen in den Lehrveranstaltungen sehr früh mit aufeinander aufbauenden Praxisproblemen konfrontiert, die sie zu lösen versuchen, ohne zuvor Fachwissen oder bekannte Lösungsansätze vermittelt zu bekommen. Hierdurch soll nicht nur die Aufmerksamkeit und in Folge der Memory-Effekt gestärkt, sondern auch eine ausgeprägte Problemlösungskompetenz entwickelt werden.

Nach einem jeweiligen Versuch, ein vorgelegtes betriebliches Problem allein oder zusammen mit Sitznachbarn zu lösen (was i.d.R. nicht perfekt gelingt), findet ein Diskurs und die problemorientierte Vermittlung von Fachwissen und Lösungsvorschlägen statt.

Die ausgeteilten Arbeitsmaterialien sind dabei so gestaltet, dass sie der thematischen Ablauffolge des Standardcurriculums (etwa wie der Aufbau der Standardwerke eines jeweiligen Faches) entsprechen. Dies bedeutet auch, das Niveau der Aufgabenstellungen nimmt vom Beginn bis zum Ende einer Lehrveranstaltung sukzessive zu.

Das Konzept baut auf den Ideen des "Problem Based Learning" (PBL) auf: Der Dozent ist nicht mehr der vorlesende Lehrmeister. Er ist vielmehr Moderator, fachlicher Ansprechpartner und Coach. Der Studierende ist dabei mehr als üblich gezwungen, sich selbst zu helfen. Meines Erachtens entspricht dieser Lehransatz der betriebspraktischen Realität deutlich stärker als das z.T. noch sehr verbreitete Trichtermodell. Im Unterschied zu klassischen Case Studies werden die Studierenden zum einen nicht vor, sondern nach Bearbeitung von Problemstellungen mit Fachkenntnissen versorgt und mit Lösungsansätzen konfrontiert. Zum anderen bauen die zu bearbeitenden Aufgaben vom Beginn des Semesters bis zum Ende aufeinander auf und zwar derart, dass sie insgesamt das Standardcurriculum umfassen: Nach versuchter Lösungserarbeitung in der Gruppe findet grundsätzlich eine dementsprechende fundierte fachliche Nachbereitung statt.

Studierende empfinden diese Vorgehensweise zunächst als deutlich anstrengender (wenngleich auch interessanter), stellen häufig aber später im Rahmen der Klausurvorbereitung fest, dass dann - auf Grund des frühzeitigeren Erkenntniszuwachses - ein Entlastungseffekt entsteht. Ein weiterer Effekt ist, dass die Arbeitsatmosphäre deutlich ruhiger ist; die Studierenden sind konzentrierter bei der Sache und unterhalten sich offensichtlich seltener mit dem Sitznachbarn über Nebensächliches.

Allerdings: Sollten Studierende krankheitsbedingt oder aus anderen Gründen an einer Lehrveranstaltung nicht teilnehmen können, so ist es bei dieser Methodik von besonderer Wichtigkeit, den versäumten Stoff bis zur nächsten Veranstaltung nachzuholen, weil sonst die Gefahr bestünde, den „Faden“ zu verlieren.

Die Anwendung der Methodik führt zwangsläufig dazu, dass der Stoffumfang geringer als in einer vergleichbaren Frontalunterricht-Veranstaltung ausfällt (ca. 85%). PBL-Studien der UNESCO zeigen jedoch, dass das Erlernte deutlich länger abgespeichert bleibt.

Flankierend wird die problemorientierte Lehre z.T. untermauert durch:

  • Praxisvideos, die fachliche Zusammenhänge durch Beispiele aus der Praxis visuell verdeutlichen;
  • Videomitschnitte (Video-Podcasts), sodass insbesondere im Rahmen der Klausurvorbereitungen ganze Lehrveranstaltungen komplett erneut betrachtet werden können;
  • Lehrreferate, bei denen die Studierenden selbst fachliche Zusammenhänge ihren Kommilitonen in Form von Lehrveranstaltungen vermitteln und den Lernerfolg selbst prüfen;
  • Unternehmenstheater, in dessen Rahmen die Studierenden selbst betriebliche Rollen übernehmen und auf der Bühne inszenieren (mit Dienstantritt an der Hochschule Niederrhein im März 2013 ist Unternehmenstheater zunächst einmal noch "auf Eis gelegt");
  • Referate von Praxisvertreterndie von Praxiserfahrungen berichten und "aus dem Nähkästchen plaudern" (mit Dienstantritt an der Hochschule Niederrhein im März 2013 muss ich erst in der Region nach geeigneten Vertretern der Unternehmenspraxis Ausschau halten, sodass externe Referate erst mittelfristig stattfinden werden).

Darüber hinaus findet eine umfassende Klausurvorbereitung statt. In dessen Rahmen besprechen wir Methoden des Klausurbearbeitungsmanagements, ich zeige Ihnen in Form von Hardcopies – anonymisierte – Beispiele besonders guter aber auch schwacher Lösungserarbeitungen, und wir besprechen die Klausur-Struktur. Eine Ausgrenzung von Stoff findet grundsätzlich nicht statt!